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ToggleLetzte Woche war ich Speaker. Die Woche davor war ich Teil eines Organisationsteams, Speaker und gefühlt für alles zuständig. Zwei Konferenzen in zwei aufeinanderfolgenden Wochen, vier unterschiedliche Sessions, ein Workshop. Und jetzt sitze ich hier und merke: So erschöpft war ich nach einer Konferenzphase noch nie.
Das ist keine Klage. Es ist eine Bestandsaufnahme.
Was wirklich zehrt
Die Vorbereitung ist anstrengend, klar. Vier Sessions bedeuten vier inhaltliche Welten, die parallel im Kopf existieren müssen. Slides, Demos, Timing, die eine Folie, die noch nicht stimmt. Das ist Arbeit, die man sieht und planen kann.
Was man unterschätzt, sind die Konferenzen selbst.
Der Lärmpegel in vollen Räumen. Die ständigen Kontextwechsel in Gesprächen, gerade noch über Exchange Hybrid diskutiert, fünf Minuten später geht es um Lizenzierungsdetails, dann um einen Security-Vorfall bei jemandem aus der Community. Jedes Gespräch ist wertvoll. Jedes Gespräch fordert Präsenz. Das summiert sich.
Dazu kommt etwas, das MVPs gerne verdrängen: Wir sind auf Konferenzen selten nur Teilnehmende. Wir sind ansprechbar. Immer. Das ist eine Rolle, die man bewusst übernimmt und die unbewusst viel Energie kostet.
Die Falle mit der „einen Konferenz noch”
Ich beobachte dieses Muster bei mir selbst und in der Community immer wieder. Der Konferenzkalender füllt sich allmählich. Eine Einladung hier, eine interessante Community-Veranstaltung dort. Jede Entscheidung ist verständlich, doch die Verdichtung erfolgt schrittweise. Und dann ist da zusätzliches dieses latente Gefühl, “nicht genug” Konferenzteilnahmen im Kalender zu haben.
„Die eine Konferenz nehme ich auch noch mit” – dieser Satz ist eine Falle.
Nicht, weil die Konferenz schlecht ist, sondern weil der eigene Energiehaushalt keinen Puffer mehr hat, wenn plötzlich alles gleichzeitig auftritt. Dann hilft es auch nichts, wenn jede Veranstaltung für sich genommen großartig war.
Was das mit MVPs im Besonderen zu tun hat
Neue MVPs unterschätzen häufig, wie viel die Rolle implizit verlangt. Mit zunehmender Sichtbarkeit steigen die Einladungen, und der soziale Druck, teilzunehmen, wächst. Es ist ein Privileg, aber gleichzeitig ein Umfeld, in dem man sich schnell zu viel vornimmt. Denn es gilt die alte Weisheit: Nach der Nominierung ist vor der Nominierung.
Erfahrene MVPs ist dieses Muster zwar vertraut. Aber nur weil man es kennt, heißt das nicht, dass man dagegen immun ist. Ich zähle mich selbst dazu.
Wer schon länger dabei ist, hat oft eine bestimmte Erwartung an sich selbst: Man liefert stets, ist präsent und sagt nicht ab. Das gilt als Zeichen von Professionalität. Es kann aber auch zur unterschwelligen Belastung werden.
Pausen sind keine Schwäche
Was ich mitnehme und was ich jedem MVP gern ans Herz legen möchte, egal ob frisch ernannt oder schon seit Jahren dabei: Pausen einzuplanen heißt nicht, weniger engagiert zu sein. Es ist ein wichtiger Schritt, um langfristig handlungsfähig und motiviert zu bleiben.
Das gilt auch auf Konferenz- und Jahresebene: Ein entspannter Abend, ein freier Slot ohne Termine, eine Stunde nur für dich. Ebenso solltest du Phasen mit weniger Verpflichtungen bewusst einplanen und vor spontaner Überbuchung schützen, um dir regelmäßig kleine Pausen zu gönnen.
Was hat mir auf dieser letzten Konferenz wirklich geholfen? Kleine Gesprächspausen, kurze Momente der Ruhe zwischen den Sitzungen. Es ist kaum etwas, aber genau das reicht, um meine Energie ein bisschen wieder aufzuladen. Das klingt vielleicht simpel, aber es ist etwas, das man bewusst einplanen sollte. Es passiert nicht von selbst. Und vielleicht bietet die Konferenz-Location einen Ruheraum genau zu diesem Zweck.
Die Freude bleibt
Ich möchte nur sagen, wie sehr mich die Gespräche mit der Community, das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern und die spontanen technischen Diskussionen auf dem Flur bereichern. Sie geben mir so viel zurück und sind genau das, was dieses Engagement für mich so wertvoll macht.
Aber Freude und Erschöpfung können wunderbar nebeneinander existieren. Beides darf gleichzeitig sein, und das macht unser Gefühl doch so menschlich.
Die Community braucht Menschen, die langfristig dabei sind. Nicht solche, die sich zwei Jahre lang verausgaben und dann weg sind. Das gilt für Ehrenamtliche ebenso wie für MVPs.
Was du konkret tun kannst
Bevor du die nächste Konferenzsaison planst, wirf einen Blick in den Kalender. Achte nicht nur auf die einzelnen Termine, sondern auch auf die Dichte der Veranstaltungen. Gibt es Wochen, in denen du hintereinander unterwegs bist? Gibt es anschließend eine echte Pause?
Wenn du als Speaker oder Organisator planst, solltest du mehr Pufferzeit einplanen als gedacht. Nicht für die Vorbereitung, diese schätzt man mit Erfahrung gut ein, sondern für die Zeit danach.
Wenn du selbst ein Event planst, zögere nicht, um Hilfe zu bitten. Wir sind eine unterstützende Community. Und das bedeutet, dass es immer Menschen gibt, die gerne mit anpacken. Ein freundliches Organisationsteam teilt die Aufgaben auf und macht dein Event noch besser. Verschiedene Blickwinkel, unterschiedliche Netzwerke und gemeinsam geteilte Verantwortung bringen etwas Besonderes hervor. Das Ergebnis ist mehr als nur die Summe seiner Teile. Es ist etwas Einzigartiges, das nur zusammen entstehen kann.
Und denke daran, dir auch mal ein Nein zu erlauben. Deine Community wird nicht zusammenbrechen, wenn du eine Veranstaltung einmal aussetzt. Es ist okay, Grenzen zu setzen und auf dich selbst zu achten. Deine Community weiß deine Selbstfürsorge zu schätzen.
Du bist kein schlechterer MVP, wenn du auf dich achtest. Ganz im Gegenteil. Das zeigt nur, dass du für dich sorgst. Und du bist auch kein schlechter Organisator, wenn du dir Hilfe holst, das macht dich sogar noch stärker.
