Sechs Tracks, zwei Tage – Mein Rückblick auf die CDC Germany 2026

Du kennst bestimmt diesen Moment. Einen Kaffee in der Hand, den Blick auf die Agenda gerichtet, wird dir plötzlich bewusst, dass in nur zehn Minuten drei spannende Sessions beginnen. Alle gleichzeitig, aber in verschiedenen Räumen. Solche Momente kennt wahrscheinlich jeder und sie machen den Konferenztag manchmal richtig spannend.

Auf der Cloud & Datacenter Conference Germany 2026 in Hanau hatte ich diesen Moment erstaunlich oft. Und den Gesprächen in den Pausen nach zu urteilen, ging es sehr vielen anderen genauso.

Aber das ist vermutlich das größte Kompliment, das man einer Konferenz machen kann.

Vor Ort, und das mit voller Absicht

Am 30. September und am 1. Oktober 2026 hat sich die Community im Congress Park Hanau getroffen. Keine hybride Lösung, kein Stream im Hintergrund, sondern ein echtes Vor-Ort-Event. Und genau das hat man gespürt.

Die Zahlen sind beeindruckend: 66 Sessions, sechs parallele Tracks und 47 Vortragende, darunter viele Microsoft MVPs und Teammitglieder von Microsoft. Doch was die CDC für mich wirklich ausmacht, lässt sich kaum in Zahlen fassen.

Es sind die Gespräche zwischen den Sessions. Die Fragen, die nach einem Vortrag noch am Rednerpult diskutiert werden. Die Person am Nachbartisch, die gerade genau das Problem gelöst hat, an dem du seit Wochen hängst.

Das bekommst du in keinem Webcast oder LIve-Stream einer Konferenz-Session.

Bemerkenswert ist auch das Modell hinter der Konferenz. Die Speaker:innen treten ohne Gage auf, die Sponsoren tragen einen großen Teil der Kosten. So entsteht eine Veranstaltung auf diesem Niveau zu einem Ticketpreis, der für viele Unternehmen und Einzelpersonen tatsächlich erreichbar ist. Das ist gelebte Community und alles andere als selbstverständlich.

Podiumsdiskussion beim CDC Germany 2026 mit sieben Personen, die nebeneinander auf der Bühne sitzen. Mehrere Personen halten Mikrofone und sind einander zugewandt. Hinter dem Podium befindet sich eine große weiße Leinwand mit dem Logo „CDC Germany 2026“ und dem Schriftzug „Und jetzt: viel Spaß!“. Darunter wird die Podiumsdiskussion „AI – Fluch oder Segen?“ im Paul-Hindemith-Saal angekündigt.
„AI – Fluch oder Segen?“: Podiumsdiskussion beim CDC Germany 2026.

Ein Line-up, das sich sehen lassen kann

Wirf einen Blick auf die Liste der Vortragenden und du verstehst, warum die Entscheidung für eine Session so schwerfiel. Hier standen Menschen auf der Bühne, die ihre Themen nicht aus Produktbroschüren kannten, sondern aus realen Projekten, aus Eskalationen um zwei Uhr nachts und aus jahrelanger Arbeit in und mit den Produktgruppen.

Mit Rob Hindman, einem Senior Program Manager von Microsoft, war zum Beispiel jemand dabei, der Einblicke direkt aus dem Produktteam mitgebracht hat. Dazu kamen MVPs und Fachleute aus ganz Europa, etwa Tanja Wiehoff, Hannes Lagler-Grüner und Tobias Fenster, sowie viele weitere bekannte Gesichter aus der deutschsprachigen und internationalen Community.

Diese Mischung ist es, die eine Konferenz besonders macht. Internationale Perspektiven, tiefes technisches Wissen und zugleich die Bereitschaft, offen über Fehler, Umwege und Lessons Learned zu sprechen.

Von Failover-Cluster bis KI

Wer die CDC noch als reine Hyper-V- und Datacenter-Konferenz im Kopf hat, sollte sich die Agenda genauer ansehen. Die Bandbreite war enorm.

Auf der einen Seite die klassische Infrastruktur, die in vielen Unternehmen nach wie vor das Rückgrat bildet. Ein schönes Beispiel war der „Failover Cluster & S2D: Monitoring Deep Dive„, der genau die Fragen beantwortet hat, die sich Admins im Betrieb stellen. Dazu Sessions rund um Azure Local und hybride Cloud-Szenarien, die zeigen, wie On-Premises und Cloud heute zusammenwachsen.

Auf der anderen Seite die Themen, die gerade alle beschäftigen: Security, die nicht erst beginnt, wenn ein Alarm ausgelöst wird. KI, die ohne eine saubere Datenbasis nicht funktioniert. Und dazwischen Sessions, die man auf den ersten Blick gar nicht auf dem Radar hat, etwa zur zentralen Verwaltung von E-Mail-Signaturen in Microsoft 365 und Exchange, und warum Marketing, Vertrieb und die Rechtsabteilung der IT dafür dankbar sein werden.

Von On-Premises über Hybrid und Public Cloud bis hin zu AI, Security und Microsoft 365 war für alle etwas dabei. Für Architektinnen und Architekten genauso wie für Admins im Tagesgeschäft und für technisch versierte Personen, die Entscheidungen vorbereiten müssen.

Die Qual der Wahl

Sechs parallele Tracks bedeuten zwangsläufig, dass du etwas verpasst. Immer. Das ist der Preis für ein so dichtes Programm.

Die gute Nachricht für alle Teilnehmenden ist, dass die Vortragenden ihre Slides im Rahmen der Eventkommunikation nach dem Event bereitstellen. Teilnehmende können so alles nachholen, wofür im Zeitplan kein Platz mehr war. Zumindest theoretisch.

Die Session, die mich nicht mehr loslässt

Ausgerechnet auf einer Konferenz voller Cluster, Clouds und Security-Konzepte war es eine nicht-technische Session, die mich am nachhaltigsten beeindruckt hat: „Das wichtigste Betriebssystem im Rechenzentrum sitzt nicht im Rack. The Human Operating System: Krisenkompetenz unter Unsicherheit“ von Thorsten Blömer.

Der Ausgangspunkt ist so einfach wie entlarvend. Für fast jeden denkbaren Incident haben wir Runbooks, Disaster-Recovery-Pläne und Redundanzen. Wir testen Failover, simulieren Ausfälle und dokumentieren die Wiederanlaufzeiten. Aber für das System, das im Ernstfall die Entscheidungen trifft, haben wir meistens nichts davon.

Den Menschen.

Thorsten hat gezeigt, was unter Druck mit uns passiert. Aufmerksamkeit verengt sich, Kommunikation wird knapper, Entscheidungen folgen anderen Mustern. Nicht, weil Menschen in der Krise plötzlich ihre Kompetenz verlieren, sondern weil unser „Human Operating System“ unter Stress schlicht anders arbeitet. Wer das weiß, kann damit umgehen. Wer es ignoriert, wundert sich, warum der sorgfältig geprobte Notfallplan um drei Uhr morgens trotzdem nicht so läuft wie im Test.

Besonders stark fand ich, wie konsequent er Erkenntnisse aus der Psychologie, der Neurowissenschaft und der Führungsforschung auf die Welt der Cloud und der Rechenzentren übertragen hat. Seine These: Krisenkompetenz ist mehr als Resilienz im Sinne von „Durchhalten“. Sie könnte zu einer der entscheidenden Grundlagen für die Fähigkeiten werden, die wir in Zukunft brauchen. Hinter dem Ansatz steht keine Theorie aus dem Elfenbeinturm, sondern über 30 Jahre Erfahrung in der Begleitung internationaler Transformationsprozesse, unter anderem als ehemaliges Mitglied der Geschäftsleitung der Kiekert AG. Mit Krisenglück hat Thorsten daraus ein wissenschaftlich fundiertes Framework entwickelt.

Für mich hat diese Session einen Nerv getroffen. In unserer Branche reden wir viel über die Hochverfügbarkeit von Systemen und erstaunlich wenig über die Belastbarkeit der Menschen, die diese Systeme betreiben. Dabei ist genau das die Schwachstelle, die in keinem Monitoring auftaucht. Wenn du Teams führst, Bereitschaftsdienste planst oder selbst regelmäßig in Eskalationen steckst, schau dir die Slides an, sobald sie verfügbar sind.

Dass eine Session wie diese auf der Agenda einer technischen Konferenz steht, spricht übrigens sehr für das Orga-Team.

Meine beiden Sessions

Ich durfte in diesem Jahr gleich zwei Sessions beisteuern. Beide drehen sich um Themen, die mich in Projekten seit Jahren begleiten und die erstaunlich wenig an Aktualität verlieren.

Der letzte Exchange Server: Abgang oder Dauergast?

CDC Germany 2026 Sessiongrafik zu ‚Der letzte Exchange Server – Abgang oder Dauergast?‘, Mittwoch von 15:20 bis 16:05 Uhr, mit illustriertem Porträt von Thomas Stensitzki.

Am Mittwochnachmittag ging es um eine Frage, die in praktisch jeder hybriden Exchange-Umgebung irgendwann auf dem Tisch liegt: Die Postfächer sind längst in Exchange Online, aber da steht immer noch dieser eine Exchange Server im Rechenzentrum. Kann der weg?

Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an. Und zwar nicht auf Bauchgefühl, sondern auf sehr konkrete Abhängigkeiten. Wie verwaltest du Empfängerattribute, während die Identitäten aus dem lokalen Active Directory synchronisiert werden? Welche Anwendungen und Geräte versenden noch per SMTP über den lokalen Server? Welche Rolle spielt der hybride Mailflow? Und was passiert mit all den Konfigurationen, die irgendwann einmal jemand eingerichtet und nie dokumentiert hat?

Microsoft hat in den letzten Jahren einiges getan, um den letzten Server überflüssig zu machen. Trotzdem ist der Abschied kein Klick, sondern ein Projekt. Wer ihn sauber plant, wird den Dauergast los. Wer es überstürzt, holt ihn sich schneller zurück, als einem lieb ist.

Die unendliche Geschichte der Microsoft 365-Gruppen

CDC Germany 2026 Sessiongrafik zu ‚Die unendliche Geschichte der Microsoft 365-Gruppen‘, Donnerstag von 13:25 bis 14:10 Uhr, mit illustriertem Porträt von Thomas Stensitzki

Am Donnerstag habe ich dann eine Geschichte erzählt, die wirklich kein Ende nimmt. Microsoft 365-Gruppen sind über die Jahre vom Experiment in Outlook zum Fundament für Teams, SharePoint-Teamwebsites, Planner und vieles mehr geworden. Und mit jedem neuen Dienst, der auf Gruppen aufsetzt, wächst die Bedeutung einer sauberen Governance.

Wer darf Gruppen erstellen? Wie sorgst du für nachvollziehbare Namen? Was passiert mit Gruppen, die niemand mehr nutzt? Und wie gehst du mit Gastzugriffen um, ohne die Zusammenarbeit auszubremsen?

Viele Organisationen haben Gruppen einfach wachsen lassen und stehen heute vor einem unübersichtlichen Bestand. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, die eigene Strategie zu überdenken.

Ein großes Dankeschön an alle, die in beiden Sessions dabei waren, so engagiert mitdiskutiert und so viele gute Fragen gestellt haben. Genau das macht eine Session für mich als Vortragenden lebendig.

Danke an das Orga-Team

Eine Konferenz dieser Größe organisiert sich nicht von allein. Hinter zwei reibungslosen Tagen stecken Monate an Planung, unzählige Abstimmungen und mit Sicherheit auch einige schlaflose Nächte.

Mein besonderer Dank gilt deshalb dem Orga-Team: Kerstin und Carsten Rachfahl von Rachfahl IT-Solutions, Eric Berg von Mountain IT und Manfred Helber. Ihr habt mit viel Herzblut und Community-Power ein Event auf die Beine gestellt, das zeigt, was möglich ist, wenn Menschen aus Leidenschaft für ihr Thema zusammenarbeiten.

Danke auch an alle helfenden Hände vor Ort, an das Team des Congress Park Hanau und an die Sponsoren, ohne die dieses Konferenzmodell nicht funktionieren würde. Und an alle Teilnehmenden, die mit ihren Fragen, Diskussionen und ihrer Neugier die CDC zu dem gemacht haben, was sie ist.

Bis zum nächsten Mal in Hanau?

Die CDC Germany 2026 hat wieder gezeigt, wie wertvoll es ist, sich persönlich zu treffen. Fachlich auf höchstem Niveau, menschlich herzlich und mit einem Programm, das die Entscheidung für jede einzelne Session zur echten Herausforderung macht.

Und wenn du nach meinen Sessions noch Fragen zum letzten Exchange Server oder zur Governance von Microsoft 365-Gruppen hast, melde dich gerne bei uns. Genau solche Fragen beantworten wir bei Granikos jeden Tag.


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