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ToggleIch schreibe diesen Text mit einer KI. Und genau das ist der Punkt.
Ja, du liest richtig. Der Text, den du gerade vor dir hast, ist gemeinsam mit einer KI entstanden. Ich finde, das muss an den Anfang, sonst würde die Ironie verpuffen. Es geht um KI-Hype, um Produktivitätsversprechen und darum, was das eigentlich mit uns Menschen macht. Und ich nutze dafür genau das Werkzeug, über das ich mich aufrege.
Mach dir das kurz bewusst, bevor du weiterliest. Und dann lies weiter, denn genau darum soll es gehen.
189 Prozent mehr Produktivität, aber wozu eigentlich?
Schau dir einfach mal deine eigene Microsoft-365-Oberfläche an. Copilot in Outlook, Copilot in Teams, Copilot in Word, Copilot in Excel, Copilot demnächst vermutlich auch im Kaffeeautomaten. Jede Applikation wird derzeit mit KI-Funktionen ausgestattet, und jeder Hersteller verspricht dabei ungeahnte Produktivitätssteigerungen. Beruflich wie privat. Gefühlt landen wir bei 189 Prozent mehr Output.
Und dabei ist Microsoft 365 nur eines von vielen Beispielen. Die KI-Gießkanne wird gerade über allen ausgeschüttet, unabhängig davon, ob jemand in der IT arbeitet, in der Pflege, im Vertrieb oder gar nicht erwerbstätig ist. Ob wir das wollen oder nicht.
Nur frage ich mich: Was wollen wir eigentlich mit all der gewonnenen Zeit anstellen? Bekommen wir sie überhaupt gutgeschrieben, diese Zeit, die uns die Tools angeblich sparen? Oder wird sie einfach mit der nächsten Aufgabe, dem nächsten Projekt, der nächsten Erwartung aufgefüllt, noch bevor wir sie überhaupt bemerkt haben?
Die Zahlen aus der Praxis erzählen übrigens eine andere Geschichte als das Marketing der Hersteller. Eine Untersuchung des NBER mit rund 6.000 befragten Führungskräften zeigt, dass über 80 Prozent von ihnen in den vergangenen drei Jahren keine messbare Steigerung von Produktivität oder Beschäftigung durch KI feststellen konnten. Selbst eine deutlich positivere Studie mit über 12.000 europäischen Unternehmen kommt nur auf rund 4 Prozent Produktivitätseffekt. Statistisch robust, aber weit unter den euphorischen Prognosen eines umfassenden Produktivitätsbooms.
Zwischen dem, was verkauft wird, und dem, was messbar ankommt, klafft also eine ordentliche Lücke. Und genau in diese Lücke passen eine ganze Menge an Lizenzgebühren, Marketingbudget und Vertriebsversprechen.
Viele Menschen bekommen diese Lücke übrigens doppelt zu spüren. Zuerst müssen sie sich das neue Tool aneignen, es in ihren Alltag integrieren und sich rechtfertigen, warum sie es noch nicht nutzen. Dann sollen sie erklären, warum die versprochene Produktivitätssteigerung in ihrem eigenen Alltag nicht so recht spürbar ist. Und kurz darauf steht schon das nächste Tool vor der Tür, das genau dasselbe Versprechen macht.
Aber selbst wenn die Produktivität tatsächlich spürbar steigen würde: läuft es am Ende nicht doch nur auf eines hinaus? Mehr arbeiten. Noch mehr arbeiten. Zumindest ist das die Botschaft, die uns die Hersteller einreden, damit wir ihre teuren KI-Funktionen auch konsumieren. Denn nur darum geht es doch am Ende. Oder etwa nicht?
Von der Dampfmaschine zum Copilot: ein altes Muster
Schauen wir kurz zurück. Seit der Erfindung der Dampfmaschine dreht sich jeder technische Fortschritt um Effizienz- und Produktivitätssteigerung. Die Mechanisierung der Landwirtschaft, die Fließbandfertigung, die Computerisierung der Büroarbeit, die Digitalisierung ganzer Branchen. Jede dieser Wellen wurde mit denselben Versprechen verkauft, und jede hat am Ende vor allem eines produziert: mehr Output pro Person in gleicher oder kürzerer Zeit.
Es geht um das ewige Mehr aus der Zeit. Um das ewige Mehr aus den Dingen. Und was aus meiner Sicht viel schwerer wiegt, ist das ewige Mehr, das aus den Menschen herausgeholt werden soll.
Es ist eine Gier nach Ausbeutung von Natur und Mensch, immer mit dem Fokus auf die persönliche Bereicherung Wenigerer.
Jede Form der Automatisierung wurde in der Vergangenheit von sogenannten Wirtschaftsexpertinnen und Wirtschaftsexperten in den Klee gelobt und wird heute wieder gelobt. Die Argumente sind fast immer dieselben. Worte wie „Arbeitserleichterung“ und Phrasen wie „dann übernehmen die Arbeitenden anspruchsvollere Aufgaben“ lenken geschickt davon ab, dass es trotzdem nur um das Herauspressen des letzten Tropfens Humanleistung geht.
Der Begriff Humankapital wurde übrigens nicht zufällig gewählt. Er entmenschlicht das Thema, ganz bewusst. Menschen werden zu einer Ressource neben Serverkapazität, Lizenzen und Bandbreite. Planbar, skalierbar, optimierbar.
Ob in der Fabrikhalle, im Großraumbüro oder im Homeoffice. Das Muster wiederholt sich in fast jeder Berufsgruppe. Erst die Rechenmaschine, dann der Computer, dann das Smartphone, jetzt eben KI-Assistenten. Jedes Mal hieß es, dass die Arbeit jetzt endlich leichter werde. Jedes Mal kamen stattdessen neue Aufgaben hinzu, oft in größerem Umfang als zuvor, weil die frei gewordene Zeit sofort neue Erwartungen weckte.
Es geht auch anders
Es gibt Ausnahmen. Nicht viele, aber es gibt sie. Die Unternehmen, die ein gerechtes Miteinander zwischen den Arbeitenden und dem Unternehmen tatsächlich gelebt haben und leben.
Ein gutes internationales Beispiel ist Mondragon in Spanien, der größte Genossenschaftsverbund für Arbeitnehmergenossenschaften weltweit, mit Zehntausenden Beschäftigten in ganz unterschiedlichen Branchen. Die Mitarbeitenden dort sind zugleich Miteigentümer der Betriebe, stimmen über zentrale Entscheidungen mit ab und die Lohnspreizung zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Gehalt ist bewusst begrenzt, statt wie andernorts praktisch grenzenlos nach oben offen zu sein.
Das zeigt, es ist kein Naturgesetz, dass Fortschritt zwangsläufig auf Kosten der Menschen gehen muss, die ihn erwirtschaften. Es ist eine Entscheidung. Eine strukturelle, eine kulturelle, manchmal auch eine juristische. Und die meisten Unternehmen treffen bislang die andere Entscheidung, ganz einfach, weil das kurzfristig günstiger ist.
In den meisten klassisch geführten Unternehmen entscheidet eine kleine Gruppe über Investitionen in neue Technologie, während die Belegschaft mit den Konsequenzen lebt, ganz gleich, ob es um zusätzliche Arbeitslast, neue Erwartungen an die Verfügbarkeit oder schlicht um zusätzlichen Schulungsaufwand geht. Bei Mondragon sitzen genau diese Personen mit am Tisch, wenn über solche Investitionen entschieden wird. Das verändert die Fragestellung von Grund auf. Es geht nicht mehr um die Frage „Was können wir uns an Technologie leisten?“, sondern „Was bringt uns das tatsächlich und wem?“
Schablonen machen krank
Wer kommt bei alledem zu kurz? Der Mensch.
Seit der Dampfmaschine wird versucht, Menschen durch eine Schablone zu pressen und zu vereinheitlichen. Standardisierte Arbeitszeiten, standardisierte Prozesse, standardisierte Reaktionszeiten. Egal ob im Ticketsystem der IT, am Fließband, in der Pflege oder im Kundenservice, irgendwo lauert immer eine Kennzahl, die verlangt, dass reagiert wird, unabhängig davon, wie viel gerade gleichzeitig ansteht.
Dabei wird ignoriert, dass jede Person anders ist und andere Voraussetzungen und Bedürfnisse mit sich bringt. Und dass durch eine Schablone gepresst zu werden, auf Dauer krank macht.
Wird das wirklich ignoriert? Nein. Es wird bewusst in Kauf genommen. Denn Schablonen machen krank, und kranke Menschen sind ein Markt. Für Coaching-Programme, für Achtsamkeits-Apps, für weitere Software, die verspricht, das Problem zu lösen, das die vorherige Software erst geschaffen hat. Am Ende geht es fast immer nur ums Geld und um dessen Umverteilung von unten nach oben.
John Carpenter hat genau dieses Muster 1988 in seinem Film „Sie leben“ bestens dargestellt. Wir leben in einer Gesellschaft, die unbemerkt durch Botschaften gesteuert wird, die im Alltag als völlig normal erscheinen. Damals wurde der Film noch als Science-Fiction eingeordnet. Heute muss man ihn und einige andere Filme aus dieser Zeit eher als prophetische Dokumentation lesen.
Es gibt keine unendliche Produktivitätssteigerung des Individuums
Was will ich damit sagen?
Wir müssen innehalten.
Der Club of Rome hat schon Anfang der Siebzigerjahre in seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ treffend beschrieben, dass wirtschaftliches Wachstum auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen nicht endlos weitergehen kann. Genau dasselbe Prinzip gilt auch für uns als Individuen. Es gibt keine unendliche Steigerung der menschlichen Produktivität, keine unendliche Aufmerksamkeit, keine unendliche Belastbarkeit. Irgendwann ist Schluss, ob die Hersteller das in ihre Produktankündigungen einpreisen oder nicht.
Ganz ehrlich: Was würdest du eigentlich mit der Zeit machen, die dir das nächste KI-Tool angeblich schenkt? Wurdest du überhaupt gefragt, bevor man dir dieses Tool in dein Postfach, deine Arbeitsumgebung oder dein Privatleben integriert hat?
Noch wichtiger ist die Frage, die wir viel zu selten stellen: Überlegst du dir wirklich, ob das x-te KI-Tool tatsächlich einen Nutzen bringt? Oder installierst und nutzt du es nur noch, weil es möglich ist, weil es auf der Roadmap steht oder weil angeblich alle anderen es schon verwenden?
Ich würde mich über deine Antwort in den Kommentaren freuen.
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Eine Antwort
Ich nutze KI gerne und viel. Tatsächlich bin ich in der seltenen (und glücklichen) Lage, meine Arveit weitesfehend frei zu gestalten und auszusuchen. Natürlich im Rahmen und Sinne meines Arbeitgebers bzw. direkten Vorgesetzten. Schon darüber hinaus, bin ich nur einer von vielen und meine individuelle Beteiligung geht im Konglomerat der Vielen unter. So kann ich, ausgestattet mit der Fähigkeit eigenständig zu arbeiten und zu sehen, was das Team braucht, selber entscheiden, was ich als nächstes mache. Nicht zu 100 %, ich bin ja auch nur Teil des Ganzen, aber weitestgehend ohne direkte Kontrolle von oben.
Was ich damit sagen will: Ja, ich bin der Meinung, dass die Verwendung von KI mir Zeit spart. Diese Zeit sammelt sich natürlich nicht auf einem Konto an, von dem ich dann zusätzliche Freizeit abheben kann. Die Zeit, die frei wird, stecke ich in die nächste Aufgabe. Dadurch steigert sich der Output, die Arbeitszeit bleibt gleich. Da ich keine festen Vorgaben für meinen Output habe, wie z.B. einen festen Zeitplan für ein Projekt oder eine feste Anzahl von Ergebnissen pro Zeit, kann ich durch EKI-ffizienzsteigerungen kein Freizeitmehr für mich generieren.
Ich kann aber langwierige, teilweise langweilige oder auch anstrengende, weil hohe Konzentration erfordernde Arbeit, an die KI delegieren und meine Energie dann in das Einflechten des KI-Ergebinsses in meinen Arbeitsalltag stecken.
Für mich ist KI wie ein nie ermüdender, geduldiger und freundlicher Praktikant. Und genauso, wie ich die Arbeit eines Praktikanten kontrollieren muss, muss ich selbstverständlich auch die Arbeit der KI kontrollieren und darf diese nicht einfach ungeprüft verwenden. Und nein, ich verbrauche nicht die gesparte Zeit für die Kontrolle. Und wenn, dann ist das Ergebnis am Ende besser, als wenn ich mich selber bemüht hätte. Die Qualität wird durch KI höher, der Zeitaufwand geringer.
Das gilt natürlich nur für mich und meine Situation und ist nicht direkt auf (alle) anderen Arbeitssituationen übertragbar.