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ToggleGedanken zum Ende meiner Zeit als Microsoft Certified Trainer
Abschied in Raten
Zum Jahresende werde ich meine Aktivitäten als Microsoft Certified Trainer beenden.
Diesen Satz habe ich in den vergangenen Monaten mehrfach in meinem Kopf für mich allein laut ausgesprochen. Und jedes Mal hatte ich das Gefühl, dass er zwar richtig ist, aber nicht die ganze Geschichte erzählt.
Vielleicht liegt das daran, dass dieser Abschied nicht plötzlich kommt. Es gibt keinen einzelnen Auslöser, keine Enttäuschung, keinen Moment, in dem ich beschlossen habe, einen Schlussstrich zu ziehen. Vielmehr ist es ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum hinweg entwickelt hat. Ein Abschied in Raten sozusagen.
Und vielleicht ist dieses Bild deshalb so passend, weil es sich für mich nicht wie ein Ende anfühlt.
Alles begann mit einer Prüfung
Am 3. Dezember 2001 habe ich meine erste Microsoft-Zertifizierungsprüfung bestanden.*
Damals stand für mich vor allem das Lernen im Mittelpunkt. Natürlich war ich stolz, Teil der Microsoft Certified Professional Community zu sein. Was ich damals jedoch nicht wusste, war, wie bedeutend dieser Schritt später für mein Leben sein würde.
Aus einer bestandenen Prüfung wurden weitere Prüfungen. Aus Zertifizierungen wurden Spezialisierungen. Aus Interesse wurde Leidenschaft.
Und aus einer Community wurden Menschen, die mich über viele Jahre begleiten würden.
Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, fallen mir eher Begegnungen, Gespräche und Menschen ein, die ihr Wissen teilten und bereit waren, andere auf ihrem Weg zu begleiten, als Zertifikate, Logos oder Prüfungscodes.
Ohne sie wäre mein eigener Weg ein anderer geworden.
Vom Lernenden zum Trainer
Bevor ich selbst Trainings gehalten habe, war ich Teilnehmer.
Ich hatte die Gelegenheit, von großartigen Trainerinnen und Trainern zu lernen. In Deutschland, Europa und Nordamerika. Das waren Begegnungen bei Veranstaltungen und in Schulungsräumen. Einige von ihnen sind bis heute meine Wegbegleiter:innen.
Sie haben mir nicht nur Wissen vermittelt. Sie haben mir gezeigt, dass gute Trainings weit mehr sind als das bloße Vermitteln von Fakten. Gute Trainer:innen teilen Erfahrungen. Sie erzählen Geschichten. Sie helfen dabei, Zusammenhänge zu verstehen. Und oftmals vermitteln sie etwas, das in keinem Kursbuch steht.
Vielleicht entstand damals die Frage, die mich später selbst zum Trainer werden ließ:Wie kann ich etwas von dem zurückgeben, was ich an Wissen und Erfahrungen erlangt habe?
Mein Herz schlug schon immer für Exchange und Messaging. Es lag daher nahe, meine Erfahrungen nicht nur in Kundenprojekten einzusetzen, sondern auch in Trainings weiterzugeben. Rückblickend war das eine der besten Entscheidungen meines beruflichen Lebens.
Nicht wegen der Trainings. Sondern wegen der Menschen.
Lernen ist keine Einbahnstraße
Wer nie selbst unterrichtet hat, könnte glauben, dass Trainer:innen Wissen vermitteln und Teilnehmende Wissen aufnehmen. Nicht mehr. Meine Erfahrung war eine andere.
In all den Jahren habe ich mindestens genauso viel gelernt, wie ich vermittelt habe. Jede Frage, auf die ich keine spontane Antwort hatte, hat mich weitergebracht. Jede Diskussion hat neue Perspektiven eröffnet. Jede andere Sichtweise hat meinen eigenen Horizont erweitert.
Mit jedem Dialog lernen beide Seiten.
Mal mehr die eine. Mal mehr die andere. Aber niemand geht daraus unverändert hervor.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis, die ich aus meiner Zeit als Trainer mitnehme.
Die Community war immer der eigentliche Grund
Wenn ich an meine Zeit als MCT denke, dann denke ich nicht zuerst an Trainingsunterlagen oder Zertifizierungen.
Ich denke an die Community.
An Menschen, die ihr Wissen teilen, obwohl sie es nicht müssten.
An Trainer:innen aus aller Welt, die sich gegenseitig unterstützen.
An all die Gespräche auf Konferenzen und Summits.
An Treffen, die eigentlich nur für eine Stunde geplant waren, aber bis spät in die Nacht dauerten.
An Freundschaften, die über Ländergrenzen hinweg entstanden sind.
An Kolleg:innen, die zu Freund:innen wurden.
Die MCT-Community hat mich geprägt. Fachlich, aber vor allem menschlich.
Ohne diese Community wäre ich heute nicht dort, wo ich heute bin.
Die Erfahrungen, Begegnungen und Freundschaften der vergangenen Jahre sind Teil meiner Geschichte geworden. Sie haben mich beeinflusst, geformt und begleitet. Dafür empfinde ich eine Dankbarkeit, die sich nur schwer in Worte fassen lässt.
Warum jetzt?
Die Antwort darauf ist vermutlich einfacher, als manche vermuten.
Es ist nicht so, dass ich keine Lust mehr habe.
Es ist nicht so, dass ich enttäuscht wäre.
Es ist auch nicht so, dass ich der Community den Rücken kehren möchte. Auf gar keinen Fall.
Es ist vielmehr das Gefühl, dass die Rolle nicht mehr zu meinem heutigen Leben passt.
Die Welt hat sich weitergedreht.
Meine Interessen haben sich seit dem erst Jahr als MCTverschoben.
Themenschwerpunkte haben sich verändert. Und die Lebensschwerpunkte ebenfalls.
Das ist für mich weder ein Verlust noch ein Problem. Es ist ein völlig natürlicher Teil des Lebens.
Irgendwann merkt man, dass ein Kapitel, das über viele Jahre richtig und wichtig war, langsam zu Ende geht. Nicht weil es schlecht geworden wäre. Sondern weil man selbst sich verändert hat.
Genau so fühlt es sich für mich an.
Die Mission bleibt
Was sich nicht verändert hat, ist mein Wunsch, Wissen und Erfahrungen weiterzugeben.
Vielleicht ist dieser Wunsch heute sogar stärker als früher.
Nur die Form hat sich verändert.
Heute teile ich Erfahrungen über Blogartikel, Bücher, Podcasts, Community-Veranstaltungen und unzählige Gespräche mit Menschen. Ich schreibe mehr. Ich diskutiere mehr. Ich tausche mich mehr aus.
Und vielleicht passt das sogar besser zu dem, was mich antreibt.
Wenn ich auf die letzten fünfundzwanzig Jahre als Quereinsteiger in die IT zurückblicke, dann ist Wissen gar nicht das Wichtigste, was ich mitgenommen habe.
Es sind Erfahrungen.
Die Guten.
Die Schwierigen. Auch die.
Die Erfolgreichen.
Die Schmerzhaften. Die erst recht.
Die Erkenntnis, dass man aus allem etwas lernen kann.
Und die Überzeugung, dass Erfahrungen erst dann wirklich wertvoll werden, wenn man sie mit anderen teilt.
Deshalb werde ich keine Trainings mehr halten.
Aber ich werde weiterhin da sein.
Vielleicht sogar mehr denn je.
Ein letzter gemeinsamer Meilenstein
Im Herbst organisiere ich gemeinsam mit Andre Thiemann das MCT Community Meetup bei Microsoft in München.
Vielleicht ist das der richtige Rahmen für diesen Abschied.
Ein Treffen mit Menschen, die einen wichtigen Teil meines Weges begleitet haben.
Wenn ich mir eine Abschiedsveranstaltung wünschen dürfte, dann würde sie wahrscheinlich genau so aussehen.
Danke
Danke an alle Teilnehmenden meiner Trainings.
Danke an alle Trainer:innen, von denen ich lernen durfte.
Danke an alle Trainer:innen, mit denen ich gemeinsam lernen durfte.
Danke an die Community Leads, Regional Leads und Microsoft-Mitarbeitenden, die sich über viele Jahre für diese Community eingesetzt haben und weiter einsetzen.
Danke an alle, die Fragen gestellt haben.
Danke an alle, die widersprochen haben.
Danke an alle, die diskutiert haben.
Danke an alle, die geblieben sind.
Ihr alle habt dazu beigetragen, dass diese Zeit etwas Besonderes geworden ist.
Ohne euch wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin.
Ohne euch wäre mein Weg ein anderer gewesen.
Und ohne euch gäbe es viele Erinnerungen, Erfahrungen und Freundschaften nicht, die ich heute niemals missen möchte.
Dafür werde ich immer dankbar sein.
Das Leben geht weiter.
Neue Kapitel warten bereits. Und wir werden uns weiterhin begegnen. Vielleicht nur auf anderen Wegen als bisher.
Bis dahin.
*Wozu ein altes Transkript noch gut sein kann.
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