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ToggleFaschismus und die Informationstechnologie hatten schon immer eine besondere Liebe zu einander. Zum einen halfen moderne Informationstechnologien schon immer den FaschistInnen, ihre Wünsche nach Selektion, Unterdrückung und Mord effizient und kostenoptimiert umzusetzen. Und zum anderen genossen IT-Firmen immer den nicht enden wollenden warmen Geldregen für sich und ihre AktionärInnen. Geld stinkt nicht. Und sollte Blut am Geld kleben, kann man es waschen.
Aber auch dieses Problem hat die IT innovativ in den Griff bekommen. Kryptowährungen sind geruchsneutral und Geldfüsse nicht nachvollziehbar.
Seit dem Artikel „Faschisten und neue Technologien“ sind kaum viereinhalb Monate vergangen und die Realität wird immer schlimmer. Ich frage mich unweigerlich, ob nur ich das so wahrnehme oder ob es anderen Menschen ebenso geht. Es treten Zustände ein, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen konnte.
Innovationsgeilheit macht blind
Wenn ich die Community-Posts in sozialen Medien und die Blogartikel der letzten zwei Jahre zum Thema „künstliche Intelligenz“ Revue passieren lassen, fällt mir auf, das kritische Stimmen in der Minderheit sind. Es wird eine blinde Begeisterung zur Schau gestellt, als hätte man den heiligen Gral gefunden.
Beim Stichwort „Heiliger Gral“ schließt sich direkt der Kreis zu den Faschisten. Denn genau das ist „künstliche Intelligenz“ für Faschisten, die Papplochkarten-Innovation der Neuzeit. Dank breiter Erhebung von persönlichen Daten in behördlich kontrollierten Systemen, ist es ein Leichtes, Menschen anhand von Merkmalen zu gruppieren und zu selektieren.
Erinnern wir uns daran, dass es IT-Systeme von IBM waren, die die Nationalsozialisten erst dazu befähigten, die Ermordung von Millionen Menschen strukturiert und effizient durchzuführen. Sicherlich hätte ein Nichtvorhandensein dieser IBM-Systeme seinerzeit den Mordwahn der NSDAP-Schergen nicht verhindert, aber das uns bekannte Ausmaß wurde erst durch diese technische Lösungen ermöglicht.
Sich immer wieder daran zu erinnern, gehört ebenso zur Erinnerungskultur der Gräueltaten des Dritten Reichs.
In der IT neigen wir gerne dazu, jeder neuen Idee ungefragt hinterherzulaufen. Ich schließe mich da nicht aus. Die Aufmerksamkeitsspanne für Neues scheint, wie bei Nachrichten in sozialen Medien, kürzer geworden. Ist es die Sucht nahe immer Neuem? Es gibt Momente, da kommen mir immer mehr Zweifel, ob man alles, was aus irgendwelchen Produktpipelines kommt, ungefragt akzeptieren und anpreisen muss.
Die Sau, die aktuell durch alle Dörfer getrieben wird, trägt den Name „KI“. Versteht mich nicht falsch, es ist wahrlich nicht so, als wäre an KI alles schlecht. Nein, ist es nicht, wie ich schon im Artikel „AI – The Good, The Bad, and The Ugly“ geschrieben habe. Aber die Risiken, gerade in solch politisch instabilen Zeiten wie heute, sind immens. Sehr schwer wiegt hier die Dominanz von US-amerikanischen (Social Media-) Konzernen, die ganz offen eine Regierung mit faschistoiden Zügen hofieren, um ihre globale Marktmacht zu sichern.
Wir müssen aber gar nicht so sehr über den großen Teich schauen. Was mir große Angst macht, ist die aktuelle Situation in Deutschland. Faschistische Parteien (ja, Plural), werden sich bei einer Machtergreifung nicht scheuen, KI-Lösungen auf beliebige Datenbestände loszulassen, um ihre Ziele zur Ausgrenzung, Unterdrückung, Einweisung in Lager und Ausweisung aus Deutschland zu erreichen. Und wie sich zeigt, haben (ehemals) demokratische Parteien keinerlei Scheu, das Narrativ der Faschisten zu übernehmen.
Dies gilt es mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern.
Ethische Verantwortung
Wenn man IT-Lösungen entwickelt, hat man immer auch eine ethische Verantwortung. Dieser Verantwortung muss man sich gewahr sein, bei jeder Zeile Code, die man programmiert und bei jedem Parameter, den man Funktionen und Prozeduren mitgibt.
Wie schon Artikel „Politisch sein – Jeden Tag“ beschrieben, je unserer Aktivitäten, sowohl privat als auch beruflich, politischer Natur. Dies erfordert in der Gegenwart, die uns manchmal ohnmächtig werden lässt, eine besondere Aufmerksamkeit. Gerade weil viele Menschen es vermeiden, öffentlich darüber zu sprechen, kommt in uns das Gefühl auf, alleine zu sein. Und wenn man sich alleine fühlt, neigt man dazu, lieber Nichts zu tun. Und genau auf dieses Nichtstun und Stillhalten, spekulieren die faschistischen Parteien und ihre Trittbrettfahrer.
Im Jahr 2025, oder besser gesagt, ab dem Jahr 2025 sollte die Implementierung einer Totmannschalter-Funktion in Softwarelösungen, die vordergründig einem „guten Zweck“ dienen, aber in falschen Händen dem Missbrauch gegen Menschen Tür und Tor öffnen, zur Coding-Ethik gehören. Eine Software oder aber der zugehörige Datenbestand selbst, müssen vor Missbrauch aktiv geschützt werden, wenn nicht demokratische Kräfte Zugang zu diesen Systemen und Daten erlangen.
Ich bin kein Programmierer und kann keinen Vorschlag zur Art und Weise der Implementierung machen. Aber ich vertraue darauf, dass es vielen ProgrammiererInnen gibt, die hier innovative Ideen haben, wie man so etwas effektiv und sicher umsetzen kann.
Es ist wichtig, die Aufmerksamkeit für diese Problem zu schärfen. Denn als ProgrammierIn habt ihr die Macht über den Code, über das, was mit den Zeilen, die ihr programmierst, passiert.
Schaut hin, was ihr programmiert.
Neben dem Schutz des Zugriffes auf Daten durch faschistische Kräfte, hat sich in dieser Woche noch ein weiteres Thema in den Vordergrund gedrängt, das ebenfalls eines genauen Blickes würdig ist.
In den USA werden aktuell reihenweise Webseiten vom Netz genommen bzw. deren Inhalte bereinigt, um ein kontrolliertes Narrativ zu etablieren. Es trifft nicht nur allgemeine Inhalte von Webseiten, sondern auch Webseiten des Gesundheitsministerium, auf denen wichtige Informationen zu Krankheiten gelöscht werden. Ein anderes Beispiel ist die Anpassung von Webseiten zu Reisen in die USA. Hier wurden Informationen für gesellschaftliche Minderheiten entfernt. Per Direktive trifft es auch Webauftritte von Universitäten und Forschungsprojekten.
Dieses Vorgehen wird uns aller Wahrscheinlichkeit ebenfalls drohen. Denn wer die Macht hat, kontrolliert die Wahrheit und kann sich die Geschichte passend machen.
Die Wayback-Machine des Internet Archive bietet hier nur sehr bedingt Schutz vor einem Wissensverlust.
Es gilt die Inhalte von Webseiten zu sichern.
Mitschuld
Machen wir uns nichts vor. Wenn wir in der Informationstechnologie nichts aktiv gegen den möglichen Missbrauch von Software und Daten durch Faschisten unternehmen, tragen wir eine Mitschuld. Wir müssen uns jeden Tag fragen, was können wir tun, um, im Fall der Fälle, Missbrauch zu verhindern.
Die letzten Wochen haben mir eindeutig klargemacht, dass uns die Zeit davonläuft. Ebenso wie sich das Rad der Innovationen immer schneller dreht, rollen die dunklen Zeiten von 1933 auf uns zu. Und wir können nicht drauf vertrauen, dass Parteien, von denen wir dachten, sie würden die Demokratie schützen, die Demokratie und uns schützen werden. Wir müssen den Schutz selbst in die Hand nehmen.
Es fühlt sich komisch an, diese Zeilen zu schreiben. Aber besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen.
Nie wieder ist jetzt. – Immer. Überall.
